Maibaum
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Gelebte Traditionen

Mit dem Aufleben der Natur werden im Wonnemonat Mai viele Bräuche verbunden: Mädchen flechten Maisträußchen, der Tanz in den Mai oder das Aufstellen von Maibäumen.

Das Maibaumbrauchtum hat eine Jahrhunderte alte Geschichte und ist fester Bestandteil der Volkskultur. Die Ursprünge gehören allerdings immer noch zu den ungeklärten Phänomenen. Man kann nur vermuten, dass das Maibaumaufstellen auf einen alten germanischen Ritus verweisen könnte.

Denn unsere Vorfahren verehrten Waldgottheiten, denen sie in einzelnen Baumriten huldigten. Manche Wissenschaftler sehen in dem Maibaum auch ein Fruchtbarkeitssymbol, das nach der Walpurgisnacht am 1. Mai als Baum mit grüner Spitze und einem schmucken Kranz als Krone aufgestellt wird.

Symbol der Fruchtbarkeit

Maifest
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Nach germanischer Vorstellung lebten in dem grünen Wipfel die Götter. Fehlt die Krone, so gilt der Maibaum als „kraftlos“. Kranz und Baum versinnbildlichen Fruchtbarkeit und so den Fortbestand der Menschen. Die weiß-blauen Bänder am Kranz sollen einen Bindezauber wirksam werden lassen. Auf diese Weise, so glaubte man, verfestigt sich nachhaltig das Wachsen und Gedeihen.

Darüber hinaus muss den Maibäumen die Rinde abgetragen werden, damit nach alten germanischen Mythen keine bösen Geister oder Hexen als Schädlinge unter der Borke ihr Unwesen treiben.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich der Maibaum auch zu einem sichtbaren Symbol des Zusammenhalts und des Wohlstands einer Dorfgemeinschaft. Daher werden die Bäume mit kunstvoll geschnitzten Figuren oder gemalten Zunftzeichen der örtlichen Handwerker verziert.

Freinacht: Baum weg

Nach dem Schlagen des Baumes wird er bis zum Aufrichten eingelagert und meist in wechselnden Schichten bewacht. Denn die Freinacht vom 30. April auf den 1. Mai, auch Hexennacht genannt, wird gerne genutzt, um den Maibaum anliegender Gemeinden zu "stehlen".

Früher mussten Maibäume als gemeinschaftliche Aktion mit bloßer Muskelkraft an einem zentralen Platz aufgestellt werden. Technische Hilfsmittel, sofern vorhanden, galten als verpönt. Heute erfolgt das Aufrichten des Baumes in der Regel nicht mehr von Hand, sondern mit einem Kran. Das ist vor allem Sicherheitsaspekten geschuldet. Rund um das Aufstellen findet das Maibaumfest statt. Bei viel Speis, Trank und Blasmusik werden die Aufsteller angefeuert.