Zwei Mädchen beim Fernsehsehen auf der Couch
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Mit Netflix und Co. durch den Winter

Serienmarathon hat das Zeug zum Volkssport Nummer eins. Schließlich ist es bei Kälte und Glatteis zu Hause auf der Couch auch viel sicherer.

Ein kuscheliger Sonntag könnte so aussehen: Den ganzen Tag mit Walter White in seinem Crystal-Meth-Labor experimentieren – um uns fallen coole Sprüche und noch mehr Schüsse – Tee nachschenken und die Fleecedecke über die Schultern ziehen…
Aber ist das nur ein herrlich-harmloses Vergnügen für alle, die aus dem Alltag mal in die Fiktion abtauchen wollen, oder doch eine gefährliche Sucht von Depressiven, die im wahren Leben keine Chance haben? Binge-Watching, das Verschlingen von Fernsehserien am Stück, liegt im Trend, seit sie bei Netflix und Co. en bloc zu streamen sind.

Freunde fürs Leben? Oder bis zum Abspann…

So ein Serienmarathon ist perfekte Unterhaltung, kann zum verbindenden Gemeinschaftserlebis werden, wenn man zu mehreren guckt und beschert zudem noch virtuelle Freunde: Medienwissenschaftler behaupten, dass sich die Verbundenheit zu einem Serienhelden beim Binge-Watching schneller und tiefer entwickle als das beim wöchentlichen Schauen der Fall ist. Was umgekehrt auch die schmerzliche Leere nach dem allerletzten Abspann erklärt. „Jon Schnee – was mach ich nur ohne dich?“ Manche stellen das „Komaglotzen“ sogar auf eine Stufe mit Drogenabhängigkeit, obwohl körperliche Entzugserscheinungen ausbleiben.

Körperliche Nebenwirkungen kann das Ganze durchaus haben: Bewegungsmangel und Fastfood gehören klassischerweise zum Dauer-TV. Und wie beim Arbeiten lässt auch hier die Konzentration nach, was zu Wissenslücken führen kann. Inhaltlich anspruchsvolle Serien wie beispielsweise House of Cards sind zum Dauerkonsum also wenig geeignet. Zumal es bei hochqualitativen Machwerken sowieso schade ist, sie hastig hineinzuschlingen. Was wäre zum Beispiel „Homeland“ ohne die vergangene Folge genüsslich mit gleichgesinnten Freunden zu analysieren und weiterzuspinnen?

Ver(net)flixtes Pflichtgefühl

Apropos „weiterspinnen“: Ein anderes bekanntes Phänomen ist das sogenannte Purge-Watching. Dabei schaut man eine Serie konsequent zu Ende, obwohl sie einem gar nicht gefällt. Experten erklären das damit, dass wir ungern eine begonnene Aufgabe einfach unvollendet hinwerfen. „Cliffhanger“ tun ihr Übriges, um uns bei der Stange zu halten. Und das lassen wir in der dunklen Winterzeit doch nur zu gern mit uns machen!